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David gegen David – Sievekings Meditation über Trug und Schein, Erleuchtung und Sein

David Wants to Fly

Als Regisseur David Sieveking seinem Idol David Lynch und dessen Begeisterung für transzendentale Meditation (TM) nachging, schwebte ihm noch nicht vor, wohin die dokumentarische Reise gehen würde.

TM sorgte in den 1960ern in der westlichen Welt für Aufruhr und Begeisterung, als die Beatles unter Obhut des Maharishi Mahesh Yogi eine ganz neue Lebensart entdeckten, die nach Frieden und innerer Stärke strebt. Meditation war die neue Droge, die vor allem John Lennon und George Harrison in ihren Bann zog. Tatsächlich entstand die Hälfte des „White Album“ in Rishikesh. Aus Dankbarkeit und Überzeugung waren die Stars auch gewillt, viel Geld zu spenden.

Und Geld scheint nicht unwichtig zu sein im Bestreben nach einer besseren, friedvolleren Welt: Wenn die Sterne eine schlechte Zukunft voraussagen, soll eine Opferzeremonie in Indien für Rettung sorgen – live über Satellit übertragen. Solche Zeremonien kosten zwischen 2.500 und 1 Mio US-Dollar.

Auch trauen TM-Anhänger der Schulmedizin nicht. Sie sind der festen Überzeugung, dass man selbst für sein schlechtes Karma zuständig ist. So heilen sie ihren Körper und Geist mit ayurvedischen Produkten, die ihren Preis haben. Manchmal kostet es das Leben: Doug Henning, der Meister David Copperfields, starb an Leberkrebs, weil er medizinische Hilfe verweigerte. An seiner Überzeugung: „I’ll really learn to fly“, ging er schließlich zu Grunde.

Heute ist David Lynch der neue prominente Botschafter der TM-Bewegung. Seit 34 Jahren praktiziert er täglich die Meditation, die ihm Inspiration und Kreativität schenkt. Er beschreibt die Ideensuche wie Angeln – nach der Meditation fängt er die größten Fische. Doch das persönliche Mantra, das jedem Anhänger individuell zugeordnet wird, ist ein Serienmodell: Jeder Altersklasse entspricht ein Mantra. Und nicht nur das: Die Mantras stehen für hinduistische Gottheiten – dabei versteht sich die TM als Wissenschaft, um eben alle Religionen willkommen heißen zu können.

Der Maharishi Mahesh Yogi, der kürzlich verstarb, galt für die TM-Anhänger als die Verkörperung des absoluten Wissens. Doch als er schließlich Mia Farrow zu nahe kam, war der Zauber auch für die Beatles vorbei. John Lennon verabschiedete sich beim einstigen Idol: „We’re leaving,“ worauf Mahesh entgegnete: „But why?“ – „If you’re so cosmic, you should know.“

Die zornige Reaktion des Maharishis inspirierte Lennons Lied Sexy Sadie: „We gave her everything we owned just to sit at her table. Just a smile would lighten everything. She made a fool of everyone. Sexy Sadie.“

Inwiefern Sieveking mit David Wants to Fly auch den Zorn Lynchs und der TM-Gemeinde auf sich rufen wird, bleibt abzuwarten. Als auch kritische Stimmen im Film zu Wort kamen, bot die David Lynch Foundation – mit durchschaubaren Absichten – an, den Film zu finanzieren. Sieveking lehnte ab – so nimmt er uns auf dieser Berlinale mit auf eine persönliche Meditation, deren Mantra nicht verraten wird.