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Die Steckdosen-Jäger

 

Ein Besuch im Pressezentrum

Etwas muffig riecht es, wenn man in diesen Tagen die Treppen zum ersten Stock des Grand Hyatt Hotel am Potsdamer Platz erklimmt: Dort befindet sich neben der Tesiro Lounge auch das Pressezentrum, von dem aus hunderte Journalisten von morgens bis nachts emsig die Berichterstattung über die Berlinale machen. Sie füllen hier jeden Tag mehrmals den Saal der Pressekonferenz, stehen am Presseschalter für die Vorscreenings an oder hocken im „Journalist typing room“ vor den PCs. Kein Wunder, dass bei dem Arbeitspensum die Luft im ersten Stock schnell verbraucht ist.

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Deadline

Nach den Konferenzen, die auf einem großen Bildschirm nach draußen vor den Saal übertragen werden, geht es hier zu wie in einem riesigen Ameisenhaufen: die Menge schnattert in verschiedenen Sprachen durcheinander, Kollegen reden angeregt über den letzten Film, Fotografen rennen mit Stativen durch die Gegend. „War total scheiße!“, brüllt eine Journalistin auf der Damentoilette ins Telefon, „hm, 200 Wörter? Okay, du hast sie in einer Stunde.“

Jetzt heißt es in dem Trubel ein mehr oder weniger ruhiges Plätzchen finden, den Laptop anschmeißen und frisches Fotomaterial hochladen oder die nächste Kritik eintippen. Und das muss schnell gehen, es gibt schließlich Deadlines und Termine, die noch warten. Wer das Glück hatte, noch einen Barhocker-Platz an einem der wenigen Arbeitstische zu ergattern oder sich in einer Ecke auf dem Boden verschanzt hat, sieht sich nun mit dem nächsten Problem konfrontiert: Dem chronischen Mangel an Steckdosen, der vor allem dadurch ein gewisses Ausmaß annimmt, dass die vorhandenen zum Teil gar nicht funktionieren. Traumhaft. Doch dafür findet sich in den ersten Tagen eine Lösung, man könnte sie „Buchsen-Sharing“ nennen: Man wechselt sich entweder mit seinem Sitznachbarn je nach Akkustatus ab oder bringt einfach den eigenen Dreifachstecker mit.

Kabelsalat  ©Karolin Breda

Kabelsalat ©Karolin Breda

Und täglich grüßt das Murmeltier

Irgendwann stellt sich ein gewisser Grad der Gewöhnung ein: Von den Sicherheitsleuten wird man nun mit einem wiedererkennenden „Ach, guten Morgen!“ begrüßt, und nach einem kleinen Plausch sucht man sich die Ecke vom Vortag zum Arbeiten, um dort wiederum auf den Sitznachbarn von gestern zu treffen. Wenn man besonders lange durchhält, kann das Arbeitsklima auch richtig angenehm werden: Um kurz nach Mitternacht haben bereits fast alle ihre Sachen gepackt und man hat den ersten Stock für sich allein. Nur das Aufsichtspersonal muss noch weitermachen, und wenn beim Beaufsichtigen mal Langeweile aufkommt, widmet man sich eben schöneren Dingen wie zum Beispiel dem Porträtzeichnen…

Im Aufsichtspersonal steckt Talent © Karolin Breda

Im Aufsichtspersonal steckt Talent © Karolin Breda