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Impressionen vom Potsdamer Platz

 

Seit dem Jahr 2000 wird der Potsdamer Platz jedes Jahr im Februar als Hauptaustragungsort der Berlinale zum Mekka von Filminteressierten, Cinéphilen und Branchenangehörigen, die dann diese artifizielle Welt, diese Blase bevölkern. Dabei ist der Potsdamer Platz eigentlich ein „Un-Ort“, den echte Berliner eher meiden. An historischer Stelle wurde nach dem Fall der Mauer das Brachland, das der Platz seit Kriegsende darstellte, wiederbebaut. Ein neues Geschäfts- und Büroviertel sollte entstehen. Doch handelt es sich noch immer um ein Niemandsland – nur unter anderen Vorzeichen.

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Zu Festivalzeiten verwandelt sich der Charakter des Platzes, und alle Welt tummelt sich dann zwischen Sony-Center, Bürohochhäusern, die im Vergleich zu ihren New Yorker oder Chicagoer Vorbildern wie faule Kompromisse wirken, und den Einkaufsarkaden, die Stararchitekt Renzo Piano mit Terrakotta-Platten-Fassade durchaus unschön konzipiert hat (in Paris lassen sich ähnliche seiner Bauten in der Rue de Meaux bewundern). Die Kaaba des Festivals könnte man im Berlinale Palast ausmachen, dem Kino, in dem die Filme des Hauptwettbewerbs gezeigt werden. Es befindet sich im ebenfalls von Renzo Piano entworfenen Theater am Potsdamer Platz am Marlene-Dietrich-Platz.

 

Wer schon einmal das Festival von Cannes besucht hat, dem wird sofort auffallen, dass sich die Berlinale-Pilger bereits optisch von den Festivaliers in Südfrankreich unterscheiden: Während man an der Croisette versucht, möglichst schick und aufgetakelt die Blicke aller anderen auf sich zu ziehen (das gilt für Frauen wie auch für Männer), sieht man vor dem Berlinale Palast neben auffallend gekleideten Stars vor allem leger und praktisch gekleidete Menschen. Einerseits liegt das wohl an den hiesigen klimatischen Verhältnissen: Im kalten und oft verschneiten Berlin tragen sich Minirock und Stilettosandalen nicht so angenehm wie in der frühlingshaften Mittelmeerstadt. Andererseits liegt es wohl auch an der Ausrichtung des Festivals als Publikumsfestival. Neben Journalisten und Filmschaffenden besuchen so auch ganz „normale“ Menschen die Berlinale, für die das Festival eine gute und günstige Gelegenheit darstellt, Filme aus aller Welt zu sehen, Blicke auf Stars zu erhaschen und mit Filmemachern ins Gespräch zu kommen. Der Berlinale-Besucher ist also meist nicht daran interessiert seinen besten, schönsten oder teuersten Fummel zur Schau zu tragen.

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Allerdings sind die verschiedenen „sozialen“ Gruppen auf bestimmte, andere Anlaufstellen verwiesen, sodass jede von ihnen eine andere Perspektive auf das Festival hat. So befindet sich das Pressezentrum im Grand Hyatt-Hotel gegenüber dem Berlinale Palast, wo nicht nur die Pressekonferenzen der Filmemacher abgehalten werden, sondern auch die Journalisten ihre Tickets bekommen. Die Branchenangehörigen und geladenen Gäste bekommen ihre Tickets in einem spitzwinkeligen Glashochhaus nahe dem Eingang zur S-Bahnstation, und alle Normalsterblichen ohne Akkreditierung stehen an einem eigens eingerichteten Ticketschalter in den Einkaufsarkaden an. Zwischen den Veranstaltungen stehen dann fast alle Festivalbesucher an den Street-Food-Wagen, die zwischen Cinemaxx und Arkaden ihren Platz gefunden haben, und essen asiatische Bratnudeln oder schlürfen Kaffee.

 

Dennoch beschränkt sich die Berlinale nicht auf den Potsdamer Platz; die ganze Stadt wird eigentlich bespielt. Der Besucher, der des Potsdamer Platzes überdrüssig ist, hat also durchaus die Möglichkeit, andere Berliner Viertel und Kinosäle zu entdecken. Der Zoopalast im Westen Berlins, der früher als Berlinale Palast fungierte, gehört ebenso wie das wunderbare Kino International, das ehemalige Premierenkino Ostberlins auf der Karl-Marx-Allee, zu den vielen Austragungsorten des Festivals.