Langue actuelle Aktuelle Sprache

Clique ici pour suivre l’un de nos blogs de festivals de cinéma

Internationale Filmfestspiele Berlin Französische Filmwoche, Berlin Semaine de la critique Cannes Französische Filmtage Tübingen / Stuttgart Festival Du Cinema Allemand

Sehnsuchtsort Filmakademie? Zur aktuellen Lage der dffb (Teil 1)

Von Hendrik Neumann und Marian Freistühler

Allmählich, so könnte man meinen, gewöhnen wir uns an das Dasein als Jury, entwickeln wie alle anderen Berlinale-Besucher im Laufe der Festivaltage eine professionelle Routine und summen auf unseren Wegen rund um den Potsdamer Platz hin und wieder sogar die Melodie des Berlinale-Trailers, der uns vor jeder Vorstellung in die richtige Stimmung versetzt.

Unsere unendliche Neugier bezüglich der Auswahl des jungen deutschen Kinos, das uns die Berlinale dieses Jahr präsentiert, bleibt dabei ungebrochen wie am ersten Tag. Ohne zu viel zu verraten, lässt sich schon jetzt eine spannende Vielfalt in Form und Inhalt der bisher gesehenen Beiträge feststellen. Als Jurymitglieder des DFJW-Preises «Dialogue en perspective» ist uns der deutsche Nachwuchsfilm eine Herzensangelegenheit und es erfüllt uns folglich mit Sorge, Tendenzen zu erkennen, die seine freie Entwicklung und damit jene Vielfalt erschweren könnten.

Die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb) liegt im Herzen des Berlinaletrubels im Sony Center und ist bemüht, gerade in diesen Tagen auf eine Situation aufmerksam zu machen, die nicht nur von Studenten als problematisch empfunden wird. Es liegt nahe, im Zuge unserer Auseinandersetzung mit deutschen Nachwuchsfilmen auch der Ausbildung junger deutscher Filmemacher Aufmerksamkeit zu schenken. Aus diesem Grund haben wir mit Agnesh Pakozdi gesprochen, die an der dffb Kamera studiert und euch die Kontroverse um den intransparenten Prozess der Neubesetzung des Direktorenpostens näher erläutert.

Was ist euer konkretes Anliegen?
Unser Ziel ist, dass die dffb wieder eine künstlerische Leitung bekommt, mit einer Vision im Sinne der Tradition und Besonderheiten der dffb. Das war mit Herrn Schütte leider nicht der Fall. Mehrere prägende und wichtige Dozenten wurden vertrieben in den vier Jahren seiner Amtszeit. Dadurch kam es zu einem Mangel an künstlerischen Diskurs und Betreuung – der Direktor betreut zwar keine Projekte, aber er entscheidet über Strukturen, über Finanzierung und Drehbücher für Abschlussfilme und andere Projekte.

Jan Schütte ist ja nun als Direktor weg, was für eine Situation hat er hinterlassen?
Über Jan Schütte muss ich kurz erzählen, wie er damals Direktor geworden ist. Es war eine sehr ähnliche Situation wie jetzt. Wir haben jetzt noch keinen neuen Direktor und wollten uns an dem Verfahren beteiligen, damit sich so ein Prozess wie vor vier Jahren nicht wiederholt. Jan Schütte wurde von dem Kuratorium vor vier Jahren eigentlich gegen den Willen der Studenten einberufen. Damals gab es öffentliche Wahlreden von den letzten vier Kandidaten und wir hatten eine Stimme als Studentenschaft unter neun. Schütte hat damals nur 13 Prozent bekommen, damit war er der dritte und das hat zu mehreren Problemen geführt, was seine Legitimität betrifft. Und jetzt im Juni haben wir erfahren, dass er in den USA einen tollen Job bekommen hat und sich von der dffb verabschiedet. Da hat die dffb aufgeatmet und gesagt: okay, jetzt wollen wir nicht, dass sich wiederholt, was damals passiert ist. Wir müssen den Dialog suchen mit dem Kuratorium. Es ist wichtig zu wissen, dass die rechtliche Situation sich seitdem verändert hat. Vor Jan Schütte bedeutete der Posten gleichzeitig eine Dozentenstelle an der UDK (Universität der Künste), nach seiner Berufung ist diese gleichzeitige Dozentenstelle aufgelöst worden. Die dffb ist rechtlich eine GmbH, das heißt, diesmal war das Kuratorium nicht verpflichtet, die Wahlreden öffentlich zu halten – für diese Stelle gilt das Hochschulgesetz nicht mehr. Und deswegen konnten sie so ein Verfahren schaffen, wo es eigentlich keine Transparenz gibt für uns.

Wie genau setzt sich das Kuratorium zusammen, wie werden die Entscheidungen getroffen?
Dadurch, dass sich der rechtliche Hintergrund geändert hat, besteht das Kuratorium diesmal nur noch aus den Repräsentanten des Marktes. Der Vorsitzende ist Björn Böhning, der Chef der Senatskanzlei, dann gibt es noch Vertreter des Medienboards, vom ZDF, von RTL, von Sony Pictures und einen weiteren Produzenten.

Und die haben jetzt die Macht das zu entscheiden und ihr habt theoretisch keine Stimme?
Es gab eine Findungskommission, in der zwei Kuratoriumsmitglieder, der Vorsitzende, ein Studentenvertreter und ein Dozentenvertreter der dffb saßen. Es wurde uns eine Konsensentscheidung versprochen. Nach der Ausschreibung haben sie zusammen die Bewerbungen bewertet und danach kam es zu einer engeren Auswahl. Wichtig zu erwähnen ist dabei, dass bis zum heutigen Tag niemandem abgesagt wurde. Die Namen der Kandidaten kannten wir nicht, da sie unter die Verschwiegenheit fielen. Wir wissen, dass in der letzten Runde Sophie Maintigneux und Julian Pölsler standen. Wir haben nur von ihnen erfahren, weil wir an dem Tag der Entscheidung vor dem Rathaus demonstriert haben und die Kandidaten einfach rein- und rausgehen sahen. Die Findungskommission gibt die Namen an das Kuratorium weiter, welche am Ende die Entscheidung trifft. Über diese Entscheidung haben wir seit dem 5. Dezember keine Neuigkeiten mehr erfahren.

Wie sehr steht das Kuratorium mit euch Studenten in Kontakt? Wie sehr könnt ihr mit ihm sprechen?
Wir müssen immer den Dialog fordern und die Kommunikation suchen. Eigentlich hat die offizielle Arbeit der Findungskommission mit dieser letzten Runde aufgehört. Das war vor zwei Monaten. Seitdem gab es ein Gespräch Ende Januar. Angeblich suchen sie jetzt neue Kandidaten ohne eine neue Ausschreibung zu machen. Wir hören Gerüchte hier und da, wir verstehen aber nicht, warum es nicht möglich ist, Sophie Maintigneux einzuberufen. Sie ist eine hochqualifizierte Kandidatin und war ja in der letzten Runde – Julian Pölsler hat Gerüchten zufolge sein Mandat zurück genommen. Aber das ist auch alles nicht offiziell, was ich jetzt sage, man bekommt es nur so mit. Wir wollten dem Kuratorium unsere Erfahrung mitteilen um eine gute Entscheidung zusammen treffen zu können aber die Interessen liegen zu weit weg voneinander. Dies zu klären bräuchten wir schon lange eine ausführliche inhaltliche Diskurs über das Profil der dffb. Uns ist es unverständlich was Herr Böhning und die Kulturpolitik mit der Akademie vorhat.

Inwiefern beeinflusst das alles euer Studium an der dffb?
Sehr. Die dffb ist eine kleine Filmakademie, das ist auch ein Vorteil, sie reagiert dadurch aber sehr sensibel auf Entscheidungen. Es gab wirklich ein großes Problem innerhalb der Akademie in der Kommunikation zwischen den Gremien (Dozenten, Mitarbeitern und dem Direktorium). Seit letztem Sommer haben wir keinen Direktor mehr, wir befinden uns gerade in einem Schwebezustand. Die Frage ist, in welche Richtung es weitergeht. Das Kuratorium sagt immer, dass der Direktor ein Manager sein soll, was auch nachvollziehbar ist. Uns ist aber vor allem wichtig, dass wir wieder eine_n Künstler_in an der Spitze haben, der ein Konzept für diese Kunsthochschule hat und die Tradition der dffb berücksichtigt.

Inwiefern könnt ihr jetzt auf der Berlinale präsent sein und das Festival als Öffentlichkeit nutzen?
Es gibt auf dem Festival Filme der dffb, bei den Veranstaltungen sprechen wir Leute an, verteilen unsere « save dffb » Buttons. Bei der Eröffnung haben wir eine Demonstration vor der Filmhochschule organisiert und seit der Entscheidung vom 5. Dezember machen wir jeden Tag eine Mahnwache vor dem Roten Rathaus. Jeden Tag stehen da ein paar Studenten mit Transparenten. Diese Mahnwache ist jetzt auf die Berlinale umgezogen. Es gibt viele Leute, die zu uns kommen und wir können sie über unsere Situation informieren. Andererseits sprechen wir Filmemacher und die Branche an. Wir versuchen so präsent wie möglich zu sein.

Im Rahmen der Berlinale haben die Studenten der dffb eine Podiumsdiskussion zur aktuellen Lage initiiert, die wir besucht haben und von der wir in einem nächsten Blogeintrag berichten werden. Alle aktuellen Entwicklungen der Situation tragen die Studenten auf ihrem Blog www.dffbjetzt.de zusammen.