Langue actuelle Aktuelle Sprache

Clique ici pour suivre l’un de nos blogs de festivals de cinéma

Internationale Filmfestspiele Berlin Französische Filmwoche, Berlin Semaine de la critique Cannes Französische Filmtage Tübingen / Stuttgart Festival Du Cinema Allemand

Spurensuche – Hommage an Chris Marker

ChrisMarker

 

Wer sich für Dokumentarfilm interessiert, kommt an Chris Marker nicht vorbei. Der französische Regisseur ist vor allem durch Werke wie Sans Soleil (1983) und Am Rande des Rollfelds (La Jetée, 1962) bekannt geworden. Viele Filmemacher beziehen sich auf sein Werk. Warum? Was macht Chris Markers Filme zur Inspirationsquelle? Damit beschäftigte sich das Panel des Talent Campus Chris Marker: The Future Has Vivid Memories. 

Wegbegleiter Markers erinnerten am Mittwoch an den im Sommer 2012 verstorbenen Filmemacher, Schriftsteller und Fotografen und versuchten einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Nach einem Screening von Am Rande des Rollfelds und zwei Kurzfilmen, die sich an der Form des Foto-Romans orientiert haben, ging es vor allem um den Menschen Chris Marker.

Die israelische Filmarchivarin und -kuratorin Lia van Leer und der US-amerikanische Produzent Tom Luddy haben mit Chris Marker zusammengearbeitet. Ihre Anekdoten sind außergewöhnlich, denn es gibt kaum Informationen über den Regisseur. Er hat nie Interviews gegeben, und schickte Fotos von seiner Katze, wenn ein Filmfestival sein Bild für einen Katalog anfragte.

Ende der 1950er Jahre boten Chris Markers Filme etwas Überraschendes, Neues, so Lia van Leer. Sie erinnert sich, dass er dreimal die gleichen Bilder von Menschen in einem Bus hintereinander montierte, immer mit einer anderen Tonspur. Beim ersten Mal kommentiert eine Stimme die Bilder mit den Worten „Die Helden der Nation“, dann mit „Die Sklaven des Regimes“ und schließlich mit „Menschen, die morgens im Bus zur Arbeit fahren“. Für Lia van Leer ist das ein Statement über die suggestive Kraft von Filmen und darüber, was Dokumentarfilm für Chris Marker bedeutet.

Tom Luddy hat als Producer an Sans Soleil mitgewirkt. In den 1960er Jahren arbeitete Luddy im Filmarchiv von San Francisco. Chris Marker besuchte ihn immer wieder dort, um einen ganz speziellen Film zu sehen: Alfred Hitchcocks Vertigo (1958). Marker war ein großer Fan des Films, den es Anfang der 1960er Jahre aber nirgendwo zu sehen gab … außer als geheime Raubkopie in Luddys Archiv. Bei den Dreharbeiten zu Sans Soleil habe sich Marker immer wieder von Vertigo inspirieren lassen, so Luddy. Er habe Marker sogar Fotos des Settings von Vertigo schicken müssen.

Chris Markers Werk hat vielleicht deshalb so viele Filmemacher beeinflusst, weil er sich immer an der Zukunft orientiert hat. Er war sehr offen für neue Technologien. „Mit 70 hatte Chris Marker das Gefühl, dass es endlich das Equipment gibt, dass er sich sein ganzes Leben gewünscht hat: digitale Kameras, Schnitt- und Soundsysteme“ ,  so Tom Luddy. Auch im Alter habe er noch viel experimentiert. In den 1990er Jahren entwickelte er Immemory, eine interaktive CD-ROM, mit der man in das Gehirn des Regisseurs eintauchen konnte und in seiner Musik, seinen Lieblingsbüchern und -filmen stöbern konnte. Chris Marker hat sogar einen eigenen YouTube Channel, und Tom Luddy erinnert sich, wie sehr er sich gefreut hat, als der Film über seine Katze 50.000 Klicks erreicht hat. Und Markers Werke werden nicht nur im Museum of Modern Art, sondern auch längst bei Second Life ausgestellt.