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Was passiert eigentlich abseits des Blitzlichtgewitters? Ein Erlebnisbericht.

Wenn man tagein, tagaus über die Berlinale schlendert oder bei einem engen Zeitplan auch rennt, sieht man viele bekannte und unbekannte Gesichter. Da kann man schonmal schnell vergessen, sich um die anderen Besucher und fleißigen Helfer zu kümmern, die eigentlich zahlenmäßig größer vertreten sind – allerdings nur Abseits vom Blitzlichtgewitter. Schauen wir doch mal, was wir in einer halbe Stunde vor der nächsten Vorstellung so alles über diese Menschen erfahren.

In den Arkaden hole ich mir noch schnell einen Kaffee und stoße auf die lange Schlange vor den Ticketschaltern, denen ich normalerweise keine besondere Aufmerksamkeit schenke. Heute ist es jedoch anders. Ich frage einen älteren Herren mit Hut und mehreren vollgestopften Taschen, wie er denn die Berlinale wahrnimmt und ob er mir nicht ein kurzes Statement geben möchte. Er schmettert mir eine lateinische Redewendung entgegen, gefolgt von der Übersetzung – « Lebe unentdeckt ». Ich lasse ab. Mehr Glück habe ich allerdings bei dem Mädchen hinter ihm, kurz rasierte Haare, freundlich. Für sie ist die Berlinale die Möglichkeit, sich „besondere Filme anzuschauen, nicht die üblichen Blockbuster. Vor allem auch Filme aus anderen Ländern, die einem ansonsten nicht so besonders bekannt werden, zumindest nicht in Deutschland.“ Auch wenn Film für sie keine Leidenschaft ist, ist für die Studentin die Berlinale ein Anziehungspunkt.

Die Menschen hinter den Kulissen © Busch & Dähnnews03

Schnell weiter zum Berlinale Palast wo ich Ozan Seyhan kennenlerne, der für den Servicedienstleister Busch & Dähn gerade am Eingang steht, um Besuchern Auskunft zu geben. Normalerweise muss Ozan jedoch eine Notausgangstür bewachen. Ein wenig spannender Job, bei dem es verboten ist Musik zu hören, zu lesen oder mal mit seinem Smartphone zu hantieren – es geht schließlich um die Repräsentation des Festivals. So steht Ozan nun über 100 Stunden vor der Tür – während die Filmteams, Pressevertreter und sonstige Besucher an ihm vorbeiziehen. Er würde in seinen Pausen auch mal gerne einen freien Platz besetzen und sich einen Film angucken – vielleicht gäbe es dadurch einen Motivationsschub. Trotzdem würde er seinen Job wieder machen, da jeder Tag doch Neues bereithält und es schließlich die Kasse auffüllt.

Die Uhr tickt. Es bleiben noch 10 Minuten bis zum Treffpunkt für die nächste Vorstellung. Schnell also nochmal in den Raum 00 im Grand Hyatt Hotel. Die beiden Reinigungskräfte dort haben gerade eine kleine Verschnaufpause. Auf die Frage, wie sie denn die Berlinale wahrnehmen, antwortet mir die ältere Dame mit einem starken Berliner Dialekt, dass „eben viele Leute kommen. Wir haben hier ständig non-stop zu tun. Noch mehr wie wir sonst zu tun haben. Es ist ein Kommen und ein Gehen. Ansonsten macht uns unsere Arbeit Spaß, wir sind glücklich, wir sind fröhlich. Die Leute sind alle nett, doch ne ehrlich jetzt, nen bisschen hektisch ne, sind die, die sind immer, als wenn gerade jemand hinter ihnen her is. So das war’s dann, ich muss weiter, ja?“ und mit einem kleinen Lacher huscht auch sie davon. Es dauert ein wenig, bis ich die Anspielung verstehe. Touché! Also wieder raus auf die Straße, wo mir drei Polizisten entgegen kommen. Ein Statement über ihre Wahrnehmung dürfen sie mir nicht geben – sie dürfen es schlichtweg nicht. Bemerkenswert, jedoch leider nicht sonderlich ergiebig. Weiter vorne an den Absperrungen stehen wie immer die Fans, die darauf warten ihre Stars zu sehen. Ich frage zwei junge Mädchen, wer es denn bei Ihnen ist: James Franco. Natürlich. Allerdings wissen sie überhaupt nicht, ob er kommt. Bereit stehen sie jedoch, bewaffnet mit Zettel, Stift und Fotoapparat. Am Ende dreht es sich also doch wieder nur um die Reichen und Schönen.